Verlorenes Paradies

Schlangestehen für den Sieg des Sozialismus

30 Jahre nach dem Mauerfall wollen nicht nur Jüngere wissen: Wie lebte man in der DDR?

Der bekannte Fotograf Siegfried Wittenburg zeigte mit seinen ausdrucksstarken Bildern unter diesem ironischen Titel den Alltag der DDR. Dabei verknüpfte er geschickt seine Biografie mit dem typischen Werdegang eines durchschnittlichen Bürgers. Wittenburg, der aus einer christlichen Familie aus Mecklenburg-Vorpommern stammt (geb. 1952 in Warnemünde), macht zunächst eine Lehre als Funkmechaniker, leistet seinen obligatorischen Armeedienst ab und arbeitet dann bei einer Werft in Rostock. Seine Leidenschaft gilt jedoch der Fotografie und die Qualität seiner Bilder findet schnell Anerkennung. Aber nicht seine Motive. Schnell gerät er in Konflikt mit Parteifunktionären und der Staatssicherheitsdienst fängt an, ihn auszusponieren. Staatsfeindliche Hetze und Staatsverleumdung will man in den Fotos erkannt haben. Wie Wittenburg nach dem Mauerfall erfährt, war der Mann der besten Freundin seiner Frau der Hauptinformant. In dem lebendigen Vortrag gelang es dem Fotokünstler, die Mechanismen einer Diktatur aufzuzeigen. Nicht nur die Reisefreiheit war für die DDR-Bürger stark eingegrenzt – Meinungsfreiheit, Berufswahl, Medienkonsum und nicht zuletzt auch das politische Wahlrecht unterlagen den strikten Vorgaben der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Propaganda, Einschüchterung, Auszeichnung und Repression – schon im Vorschulalter nimmt der Staat Einfluss. Schüler werden nach ihrer Herkunft bewertet: A für Arbeiter / Bauern und I für Intelligenz. Mit der letzteren Herkunft und einem christlichen Elternhaus hatte man schlechte Karten. Wittenburg fotografiert trotz aller Hindernisse weiter den Verfall seines Landes und als das Jahr 1989 mit zahlreichen Demonstrationen die friedliche Revolution einleitet, wird er in Rostock zum Chronist der Ereignisse. Der Mut und das Engagement der Bürger damals kann uns auch heute noch ein Ansporn sein und Wittenburg ermuntert die Schüler mit ihrem Einsatz für die Umwelt nicht nachzulassen. Großer Applaus zum Ende. (vlm)