Dirigieren mit dem Zauberstab – Das Frühjahrskonzert am 20. Februar 2019

Was macht ein Dirigent, wenn einzelne Instrumente gleich in den ersten Takten krumm und schief spielen? Er klopft mit dem Taktstock auf das Dirigentenpult, bricht ab und lässt das Orchester von vorn beginnen. Und wenn sich die schrägen Töne beim zweiten Anlauf wiederholen? So geschehen beim Eröffnungsstück „Highlights from Harry Potter“ des großen Schulorchesters unter der Leitung von Christopher Hilmes. Durch das Publikum ging ein Raunen und Kichern, man spürte die Irritation. Gleich zweimal den Anfang verpatzt, das kann ja wohl nicht sein! Mit dieser charmanten Idee narrten  Dirigent und Musizierende das Publikum, denn natürlich können sie es besser, aber es ist doch klar, dass „Hedwig‘s Theme“ erst fehlerfrei erklingen kann, wenn  alle eine Harry-Potter-Brille auf der Nase haben und der Dirigent nicht den Taktstock, sondern einen Zauberstab schwingt. Und sofort danach begann eine wohlklingende Reise in eine Zauberwelt,  die in der großen Halle von Hogwarts ihren Anfang nahm und in einer arabischen Nacht endete.

Dabei wurden „Zauberinstrumente“  wie Mozarts „Zauberflöte“ und Schuberts „Zauberharfe“ vom Orchester mit großer Spielfreude und Präzision zum Klingen gebracht. Aber auch Zaubernüsse, Wunderlampen, silberne Schuhe und Puff, der magische Drache, entführten die Zuhörenden in eine magische Welt der Musik und erzeugten ein Wechselbad der inneren Bilder und Emotionen. Mal wollte man gern beschwingt mitsummen, mal spürte man eine Gänsehaut, mal wähnte man sich mitten in einer Szene von Aladins Wunderlampe oder fühlte sich als Gast in dem Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.  

Matthis Rink am Horn

Ein besonderes Kribbeln  erzeugte Matthis Rink mit dem Horn Solostück „Laudatio“ des Komponisten Bernhard Krol (1920-2013). Dabei gebührt dem jungen Hornisten selbst  „höchstes  Lob“, denn er zeigte alle Facetten seines Instruments und seines Könnens. Ob Forte oder Pianissimo, ob Oktavsprünge oder fließende Linien,  der 15-Jährige interpretierte dieses ungewöhnliche und anspruchsvolle Stück technisch und musikalisch souverän. Die Aula erwies sich dabei als sehr geeigneter Raum für das differenzierte Klangspektrum eines Horns. Das war großartig!

Das Vororchester unter der Leitung von Maria Weber-Krüger erstaunte die Zuhörerinnen und Zuhörer durch einen sehr vollen  Orchesterklang. Die Nachwuchsmusizierenden ließen Merlin, den Zauberer  in der „Hornpipe“ aus der Oper King Arthur musikalisch auftreten. Mit sehr sicherem Spiel in barockem Duktus ließen sie das Publikum vergessen, dass es sich um die jüngsten Musiker des Abends handelt. Durch die rhythmischen Schwierigkeiten beim 6/8tel Takt des „Wizard of Oz“ führte  Maria Weber-Krüger das Vororchester mit klarem Dirigat. Und das Ensemble reagierte konzentriert mit gekonnter musikalischer Umsetzung.

Jonglage von Henrik Starke,
im Hintergrund das Ensemble des Musik-LKs Q2 mit Maria Weber-Krüger.

Der Musikleistungskurs Q2 entführte das Publikum  einen Moment lang  in eine ganz andere magische Welt, in die des Zirkus. Die neun Schülerinnen und Schüler spielten mit Glitzerschleife und Zylinder „Salto mortale“ von Rolf Hans Müller. Kursleiterin Maria Weber-Krüger gelang ein munteres Arrangement für die völlig unterschiedlichen Instrumente ihrer Kursteilnehmer und tatsächlich betrat sogar noch ein Jongleur die Manege. Henrik Starke amüsierte das Publikum gekonnt mit einer ganz entzückenden Jonglage mit „magischem Licht“.  Auch hier ging es nicht mit rechten Dingen zu, verschwand das kleine rote Lämpchen doch plötzlich in seinem rechten Ohr, um sofort danach aus dem linken wieder herauszuleuchten. Zauberei!

Es ist immer wieder beeindruckend, wie es Christopher Hilmes und Maria Weber-Krüger gelingt, Kinder und Jugendliche für klassische Musik zu begeistern, so dass sie engagiert üben, auf hohem Niveau Konzerte spielen und dem Orchester bis zum Abitur (und oft darüber hinaus) treu bleiben. Und das, obwohl Musik in anderen Genres doch so viel einfacher zu haben ist.  Das Publikum dankte allen Ausführenden mit einem reichen Applaus und ging ganz und gar verzaubert nach Hause.

Brigitte Tecklenburg