Auf zu neuen Horizonten: Job-Shadowing an der Katedralskole in Stavanger, Norwegen im Mai 2026

Ziel meiner Reise nach Norwegen war es, neben Einblicken in das dortige Schulsystem, vor allem aber Möglichkeiten für zukünftige Erasmus-Kooperationen für das Wilhelmsgymnasium anzubahnen. So war ich doch ziemlich aufgeregt und gespannt, als ich vom Wilhelmsgymnasium in Kassel aus aufbrach, um einige Tage an einer Schule an der norwegischen Westküste im Unterricht (moderne Fremdsprachen, Sport, Theater und Tanz, Geographie) zu hospitieren, Kolleginnen und Kollegen sowie die Schulleitung kennenzulernen und mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.
Die Katedralskole in Stavanger ist ein akademisches Oberstufengymnasium mit den Schwerpunkten moderne Fremdsprachen, Naturwissenschaften und kulturelle Bildung (Tanz, Theater und Musik). Hierdurch ergeben sich viele Anknüpfungspunkte für potentielle Kooperationen mit dem Wilhelmsgymnasium über das Erasmus-Programm.
Beim Schulrundgang am ersten Tag wird mir zunächst das Wappentier – eine Eule, ha! – gezeigt. Als die riesige Kastanie vor dem Schulgebäude gefällt werden musste, hat ein lokaler Künstler sie direkt aus ihrem Stamm geschnitzt und seitdem ziert sie den Eingangsbereich der Schule.
Mir fällt vor allem die ruhige, entspannte und freundliche Atmosphäre auf, die hier überall zu spüren ist. Die ca. 550 Schülerinnen und Schüler sprechen im gleichberechtigten Norwegen ihre Lehrerinnen und Lehrer mit dem Vornamen an und grundsätzlich arbeiten sie sehr selbstständig und meist am Laptop (nicht am Ipad), den sie entweder selbst angeschafft oder von der Schule gestellt bekommen haben. Teams ist, so wie am Wilhelmsgymnasium, der Kommunikationskanal der Schule und alle Räume sind mit Smartboards ausgestattet.
Da das Schulgebäude direkt neben der Kathedrale teilweise aus dem 15. Jahrhundert stammt und unter Denkmalschutz steht, sind Erweiterungen nur begrenzt möglich. Sport, Tanz und Musik sowie die Cafeteria, Bibliothek und Gruppenarbeitsräume sind ausgelagert, z.T. in Neubauten in der Nähe.
Die rund 90 Kolleg:innen treffen sich zu Konferenzen und Besprechungen im ehrwürdigen ‚Riddersaalen‘; zusätzlich steht jeder/m von ihnen ein individueller Arbeitsplatz zur Verfügung.
Ich bin erstaunt, als ich erfahre, dass die maximale Schulstundenzahl pro Woche bei voller Stelle bei 19 Stunden à 45 Minuten liegt. Zeit für Weiterbildung, Korrekturen und Konferenzen werden großzügig angerechnet, erklärt der Schulleiter.
Der Sportunterricht findet, wenn möglich, draußen statt und ich beobachte, wie die Schülerinnen und Schüler sich während eines Parkour-Projekts ganz selbstverständlich
in Gruppen über die gesamte Stadt verteilen, um z.B. auf Spielplätzen und Sportanlagen Parkour-Beispiele auf Video aufzunehmen. Auf meine Frage nach der Aufsichtspflicht schüttelt der Kollege lächelnd den Kopf und verweist auf sein Handy und Teams.
Außer Englisch wird an der Katedralskole auch Deutsch und Spanisch angeboten. Da viele Norweger grundsätzlich eher ruhig sind und sich ungern vor anderen hervortun, ist die mündliche Mitarbeit im modernen Fremdsprachenunterricht laut norwegischer Kolleginnen und Kollegen nicht immer einfach, obwohl die Sprachkenntnisse der Lernenden vor allem in Englisch generell gut bis sehr gut sind. Da man Englisch nach der 11. Klasse auch abwählen kann, sind die Kurse in den Jahrgängen 12 und 13 in der Regel sprachlich anspruchsvoll und zahlreiche (digitalgestützte) Präsentationen sind an der Tagesordnung.
Sehr beeindruckt war ich schließlich von der Generalprobe der diesjährigen Aufführung des Schwerpunkts „Scenisk dans“, in der die Schülerinnen moderne und traditionelle Elemente auf einem hohen Niveau verbanden und äußerst kreativ umsetzten. Jedes Jahr stehen mehrere Aufführungen an und jeweils ein Musical bildet den Abschluss des Schuljahres. Dies wäre doch ein wunderbarer Anknüpfungspunkt für weitere Zusammenarbeit zwischen unseren Schulen!
Wie an jeder Schule gibt es auch in Norwegen viele Traditionen, wie z.B. die „Russefeiring“: Im Mai und Juni während der Abiturzeit („Russetiden“) tragen die Abschlussjahrgänge traditionell zwei Monate lang rote oder blaue Overalls (sogenannte „Russ“), bis sie ihre letzten Prüfungen hinter sich haben. Sie verteilen an Passanten und Kinder ihre persönlichen Visitenkarten („Russekort“), auf denen ihr Name, ein Foto, ein persönlicher Spruch und kleine persönliche Karikaturen zu sehen sind. Die Feiern erreichen ihren Höhepunkt am 17. Mai, dem Nationalfeiertag Norwegens.
Obwohl die Katedralskole in Stavanger bereits über Kontakte zu zahlreichen internationalen Partnerschulen verfügt, wurde erfreulich viel Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Wilhelmsgymnasium gezeigt. Und so hat sich meine Reise schon gelohnt, denn ein erster Schritt für weitere spannende Möglichkeiten des Austauschs ist getan, sowohl zwischen Lernenden (individuelle Austausche oder Gruppenprojekte), aber auch von Kolleginnen und Kollegen (z.B. beim Job-Shadowing).
Bei weiteren Fragen oder Interesse setzt euch gern mit mir in Verbindung!
Sabine Küch, s.kuech@wgkassel.de















