Geschichte am WG
Grundlage des Geschichtsunterrichts ist der Anspruch des Staates, den jungen Menschen zur sittlichen Persönlichkeit zu bilden sowie seine berufliche Tüchtigkeit und die politische Verantwortung vorzubereiten. Dabei sollen Ehrfurcht und Nächstenliebe, Achtung und Duldsamkeit, Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit eine besondere Rolle übernehmen.
Der Geschichtsunterricht, so die hessische Verfassung in Artikel 56 weiter, muss auf getreue, unverfälschte Darstellung der Vergangenheit gerichtet sein. Dabei sind in den Vordergrund zu stellen die großen Wohltäter der Menschheit, die Entwicklung von Staat , Wirtschaft und Kultur... und nicht zu dulden sind Auffassungen, welche die Grundlagen des demokratischen
Staates gefährden.
Nun haben seither die Lehrpläne für Geschichte diesen Verfassungsauftrag in unterschiedlicher inhaltlicher Weise mit Leben zu füllen versucht und hat jede Schule fachliche und überfachliche Ausgestaltung der ministeriellen Vorgaben dem Zeitgeist entsprechend umzusetzen gesucht. Im Kern waren und sind wir am WG aber bemüht aufzuzeigen, welche Zusammenhänge, Parallelen und Kontinuitäten zwischen gegenwärtigen und historischen Ereignissen und Entwicklungen bestehen. Wir wollen Einsichten in das politische Geschehen vermitteln, Normen und Modelle geschichtlichen Denkens vermitteln, uns als Teil des europäischen Raums mit seinen gesellschaftlichen und politischen Ordnungen und seiner Mentalität begreifen und aus der Vielfalt der Kulturen für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft im Haus Europa lernen. Wir sehen darin gleichzeitig die Chance Fremdheit und Andersartigkeit zu erfassen und auch verstehen zu können.
Dass das Wilhelmsgymnasium - die Wilhelmschule Kassel durchaus auch das eigene Tun kritisch beleuchtet und sich auch der eigenen Vergangenheit in Kaiserreich und NS-Diktatur
gestellt hat, belegen die Beiträge dazu in der Festschrift zum 100jährigen Bestehens dieser Schule. Die dort eindrucksvoll belegten Recherchen zum Schulalltag im 3. Reich zeigen dies.
Nicht immer werden spektakuläre Ergebnisse der schulischen Arbeit zu vermelden sein, Pflicht- und Wahlpflichtunterricht arbeiten im Stillen aber deshalb nicht weniger wirkungsvoll. Unsere Geschichtswerkstatt bietet darüber hinaus ebenso persönliche Möglichkeiten zur historischen Auseinandersetzung wie auch die Teilnahme an diversen Wettbewerben für Geschichte.
Fest verankert im Jahresplan der Schulgemeinde und in der Öffentlichkeit daher im Bewusstsein ist die jährliche Fahrt der Jahrgangstufe 12 nach Buchenwald und Fahrten nach Bonn/Berlin und/oder Brüssel vor dem Abitur. Letztere zumeist mit einem Kooperationspartner und mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins.
Die Ausbildung des Nachwuchses an der UNI Kassel begleiten wir seit deren Bestehen, in dem wir Plätze für die schulpraktischen Studien zur Verfügung stellen und somit auch von der Arbeit in der Hochschule neue Anregungen und Hilfen erhalten. Gern nehmen wir auch das Lernen vor Ort in Breitenau in Anspruch und die dort angebotenen Info-Veranstaltungen für unsere Schülerinnen und Schüler.
Unsere Arbeit ist in allen Jahrgängen eng verzahnt mit der Arbeit in den Fächern Geographie und Politik und Wirtschaft, ohne deren kollegiale Zuarbeit und dem gemeinsamen Bemühen
um die Stärkung der politischen Bildung wir Vieles nicht erreichen könnten. Für diese Unterstützung und das uns hier entgegengebrachte Vertrauen sind wir besonders dankbar.
Und da die Geschichte stets weiter geht hoffen wir, dass wir beim Drehen des Rades möglichst wenig in dessen Speichen gelangen werden.
Reinhard Schintze SCI 12/07