"Eine Gesellschaft, die keine Ahnung vom Raum hat, in dem sie sich bewegt, tappt im globalen Dorf fast noch dümmer herum als eine, die nicht richtig schreiben und lesen kann."
(Christian Deysson: Neues Raumgefühl. In: WirtschaftsWoche, Nr. 52 vom 20.12.2001)
Das Fach Erdkunde am Wilhelmsgymnasium
Das Fach Erdkunde wird an unserer Schule jeweils zweistündig in den Jahrgangsstufen 5 und 8 unterrichtet. Im Jg. 6 findet der Erdkundeunterricht einstündig bzw. zweistündig in einem Halbjahr statt. Außerdem kann das Fach fakultativ im Jg. 11 belegt werden.
Die Erdkunde und ihre Bezugswissenschaft, die Geographie, haben eine Brückenfunktion zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften; sie verbinden Inhalte und Methoden beider Bildungsbereiche. Im Mittelpunkt des Erdkundeunterrichts steht die Auseinandersetzung mit der Erde, ihrem geologischen Aufbau, der geomorphologischen und klimatischen Vielfalt der Erdoberfläche, den Landschafts- und Meeresräumen unter besonderer Berücksichtigung der Wechselwirkung zwischen Erde und Mensch.
Eine zentrale Bedeutung kommt der Kategorie des Raumes und der Vermittlung von Methoden zur räumlichen Analyse zu. Ziele des Faches sind dementsprechend Einsichten in Zusammenhänge zwischen natürlichen Gegebenheiten und menschlichen Aktivitäten in verschiedenen Räumen sowie eine darauf aufbauende raumbezogende Handlungskompetenz der Schüler/-innen.
Die Fähigkeit, sich im Raum zu orientieren, ist eine wichtige geographische Teilkompetenz, die über topographische Kenntnisse hinausgeht und ab der Jahrgangsstufe 5 kontinuierlich gefördert wird. Als Arbeitsmittel dienen Globus und Kompass, v.a. aber der Atlas sowie physische, topographische und thematische Karten verschiedener Maßstäbe. Der Atlas wird an unserer Schule im Jg. 5 für alle Schüler/-innen jeweils neu angeschafft und sollte von den Eltern finanziert werden.
An ausgewählten Raumbeispielen und auf unterschiedlichen Maßstabsebenen (z.B. Heimatraum, Deutschland, Europa und außereuropäische Räume) erhalten die Lernenden die Möglichkeit, Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur zu erkennen, daraus resultierende Strukturen, Prozesse und Probleme zu verstehen und Problemlösungen anzudenken. Neben der themengeleiteten Raumauswahl (thematisch-allgemeingeographisches Arbeiten) spielt das regionalgeographische Arbeiten mit zunächst vereinfachten Raumanalysen eine wichtige Rolle. Für die Lernenden der Klassen 5 und 6 ist dabei der Bezug zur Lebenswirklichkeit ein wichtiges Kriterium der Auswahl.
So werden in der Jahrgangsstufe 5 neben der allgemeinen Orientierung im Raum (Karte, Kompass, Maßstab) und dem globalen Orientierungsraster (Gradnetz, Kontinente, Ozeane) Deutschland und Mitteleuropa in den Blick genommen. Landschaftsräume sollen in dieser Jahrgangsstufe als Handlungsräume des Menschen wahrgenommen werden.
In der sechsten Klasse beschäftigen sich die Lernenden weitgehend mit dem Wirtschafts- und Kulturraum Europa. Zentral ist ebenso der Umgang mit geographischen Ordnungssystemen, wie z.B. den Klima- und Vegetationszonen, deren weltweite Ausprägung dann im Jg. 8 untersucht wird. In dieser Jahrgangsstufe sind weltweite Raumbeispiele Thema des Unterrichts. Insbesondere wird die Bedeutung der Naturfaktoren für den Menschen sowie die Raumprägung durch Wirtschaft, Politik und Gesellschaft thematisiert.
Zwei Besonderheiten im Jahrgang 8 stellen die Teilnahme aller Schüler/-innen am Geographie-Wettbewerb des National Geographic und der in der Lerntalentklasse bilingual erteilte Erdkundeunterricht (Enrichment) dar.
Seit dem Schuljahr 2009/2010 gibt es nun auch wieder einen zweistündigen Erdkunde-Grundkurs im ersten Jahr der Oberstufe. Er kann von interessierten Schülerinnen und Schülern aus dem Angebot verschiedener sogenannter Kontingentskurse gewählt werden. Dabei gibt es keine thematischen Vorgaben – im laufenden Kurs steht sowohl die Festigung des geographischen Grundwissens als auch die Projektarbeit am Beispiel Schule und Verkehr im Vordergrund. Leider existiert auch weiterhin kein bis zum Abitur durchgängiger Geographie-Kurs am Wilhelmsgymnasium.
H. Heinzeroth, G. Lutze-Walter, W. Schadow