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Geschichtliche Entwicklung des Verkehrs

Reisen in früheren Zeiten

Bis ins 19. Jahrhundert reisten Menschen von höherem Stand mit der Kutsche. Denen, die weder vornehm noch reich waren, dienten ihre eigenen Füße als Fortbewegungsmittel. Aus diesem Grund konnten größere Entfernungen zur damaligen Zeit kaum überwunden werden. Die Menschen waren ortsgebunden.
Das erste Fortbewegungsmittel, das eine gewisse Mobilität ermöglichte, war das Fahrrad, das in den Niederlanden entwickelt wurde. Der Vorläufer des Fahrrads war die Draisine, ein Laufrad auf Schienen, das 1817 von Karl Drais erfunden wurde. Das Fahrrad machte es dem arbeitenden Teil der Bevölkerung möglich, auch einmal die nähere Umgebung ihres Heimatortes zu erkunden.

Der erste große Entwicklungsschub

Die Eisenbahn

1815 ließ sich Oberst Bergrath Joseph Ritter von Baader einen "Güterwagen" patentieren, der sowohl Straßen als auch Schienen befahren konnte. Für die Benutzung auf der Straße dienten große Räder, an denen kleine Scheiben befestigt wurden, wenn der Wagen auf Schienen geführt werden sollte. Der Wagen sollte von Pferden oder Straßenlokomotiven gezogen werden.

Zu diesem Zeitpunkt war die Entwicklung der Dampfmaschine schon weit fortgeschritten. 1782 hatte James Watt, ein schottischer Erfinder, die erste universell einsetzbare Dampfmaschine gebaut. So entwickelte Richard Trevithick 1804 die erste durch Dampf betriebene Lokomotive. Ab 1814 wurden von George Stephenson 16 Lokomotiven für englische Bahnen gebaut, sodass schließlich 1829 der erste Lokomotivtest stattfand. Dieser Wettstreit war ein Ausgangspunkt für den Fortschritt im Eisenbahnwesen.

Am 7. Dezember 1835 fuhr schließlich die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Die Strecke eignete sich gut, da sie geradlinig zwischen den Endpunkten verlief und keine weiteren Bauten, wie beispielsweise einen Tunnel, erforderte. Schon damals war das Fahrgastpotential sehr hoch. Das "gemeine Volk" war nun mit den "Standesmenschen" gleichgestellt, denn trotz verschiedener Klassen waren sie vor dem Fahrplan und dem Abfahrtssignal alle gleich. Niemand wurde bevorzugt.

Der Bahn von Nürnberg nach Fürth folgte 1838 die erste Fernbahn von Leipzig nach Dresden. In der Zeit von 1840 bis 1880 entstanden 80% des heutigen Schienengrundnetzes: es wurden 30.000 km Eisenbahnstrecke in Deutschland fertiggestellt. Reisegeschwindigkeit, Regelmäßigkeit, Häufigkeit der Zugverbindungen und Sicherheit prägten den Entwicklungsstand der Eisenbahn in Deutschland um 1880. Da es zu diesem Zeitpunkt viele verschiedene Betreibergesellschaften gab, die sich zum Beispiel in der Breite der Spurweite unterschieden, wurden die verschiedenen technischen Raffinessen der einzelnen Bahngesellschaften in der Zeit von 1880 bis 1920 angeglichen. So entstanden aus einzelnen Strecken- und Netzbetreibern Betriebs- und Finanzgemeinschaften von neun Länderbahnen: die Preußisch-Hessische Staatsbahn, die Bayerische Staatsbahn, die Württembergische Staatsbahn, die Badische Staatsbahn wie auch die Pfälzische Eisenbahn und die Reichsbahnen in Elsass-Lothringen.

Von 1920 bis 1945 musste sich die Eisenbahn, die zunächst das Universalverkehrsmittel schlechthin gewesen war, als ein Verkehrssystem im Wettbewerb mit dem Individualverkehr, der Schifffahrt und dem Luftverkehrs behaupten. Aus diesem Grund mussten Neuentwicklungen gefördert werden und Sicherheit, Schnelligkeit sowie Bequemlichkeit besser miteinander kombiniert werden.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das ehemalige Reichsbahnnetz in drei Verwaltungen unterteilt: die Polnische Staatsbahn, die Deutsche Reichsbahn für die Deutsche Demokratische Republik und die Deutsche Bundesbahn für die westlichen Zonen, die spätere Bundesrepublik.

In die Zeit von 1945 bis 1985 fällt das Ende der Dampf-Ära. 1959 wird die letzte Dampflok der Deutschen Bundesbahn in Dienst gestellt. Die Entwicklung ging weg von Dampf- hin zu Diesel- und Elektroloks, was zu erheblichen Leistungsverbesserungen führte. In der Folge entstand der IC.

Am 2. Juni 1991 beginnt der Einsatz des ICE, der Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h erreichen kann. Im Herbst 1996 folgte schon der nächste ICE, der im Vergleich zu seinem Vorgänger leichter und komfortabler ist und eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h erreichen kann.

Der geplante Bau einer Magnetschwebebahn von Hamburg nach Berlin wurde verworfen, es werden gegenwärtig Alternativstrecken geprüft.

Der zweite große Entwicklungsschub

Das Automobil

Die Bedeutung

Das Auto brachte die Befreiung von der Schiene. Man wurde nicht mehr durch einen Fahrplan oder Haltestellen eingeschränkt. Es war, im Gegensatz zu Fahrrad und Eisenbahn, kein Fortbewegungsmittel für die "Masse", sondern blieb zunächst der "höheren" Gesellschaft vorbehalten. Das Auto war also schon in seinen Anfangsjahren das Statussymbol der Reichen.

Zur Geschichte des Autos

Die ersten Autos, die mit Benzin fuhren, wurden 1886 von Carl Benz und Gottlieb Daimler in Deutschland gebaut. Die Automobilproduktion erfolgte in Europa zunächst noch in kleinen Handwerksbetrieben, was eine geringe Stückzahl zur Folge hatte. In Amerika jedoch entwickelte Henry Ford neue Fertigungsmethoden, wie zum Beispiel das Fließband. So wurden 1909 bereits 131.000 Autos in den USA hergestellt, in Deutschland nur 9444. Deutschland beschränkte sich lange auf die Herstellung von hochwertigen und luxuriösen Automobilen, während die USA schon früh Fahrzeuge zu erschwinglichen Preisen produzierten. Das Auto war nun für fast jeden zugänglich, wodurch die Grundlagen für die Massenmotorisierung gelegt wurden. 1920 waren in den USA bereits 8,1 Mio. Personenkraftwagen im Verkehr, in Westeuropa nur 0,5 Mio.

In Deutschland machte die Motorisierung erst nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidende Fortschritte. Die Automobilproduktion wuchs in Westdeutschland in den 50er und 60er Jahren kräftig an. Der Grund dafür war eine große Inlandsnachfrage aber auch Exporterfolge. 1970 waren in Westdeutschland bereits 12,9 Mio. PKW zugelassen, in Ostdeutschland nur 1,2 Mio., da das kommunistische Zentralverwaltungssystem versuchte, die Expansion des Individualverkehrs zu bremsen. Erst nach der Wiedervereinigung legte die Motorisierung in Ostdeutschland zu. Ende 1995 lag die Fahrzeugdichte mit 507 PKW pro 1000 Einwohner in Westdeutschland nicht mehr wesentlich über derjenigen in Ostdeutschland mit 447.

Gottlieb Daimlers Erfindung

Es war lange der unerfüllte Traum des Menschen: der selbstfahrende Wagen. Gottlieb Daimler hat ihn wahr gemacht und mit seiner Erfindung des Motors das Leben von uns allen verwandelt und verändert. Denn in den 89 Jahren seit der Verwirklichung von Automotor und Automobil hat der Mensch Zeit und Mühe gespart und konnte sich leicht die Welt erschließen. Weit über eine Pferdestärke oder Stadtgrenze hinaus! Deshalb ist heute das Auto das Fundament unserer sozialen und wirtschaftlichen Existenz.

Dem Erfinder Gottlieb Daimler war es gelungen, einen schnelllaufenden Benzinmotor zu erfinden, der universell einsetzbar war. Er erfand schließlich das erste ernstzunehmende Auto.

Aus rechtlichen Gründen kann das eigentliche Bild nicht gezeigt werden.

1883 Gottlieb Daimlers erster schnelllaufender Benzinmotor mit liegendem Zylinder

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1885 Daimler Reitwagen / Der stehende 1-Zylinder-Motor mit Glührohrzündung und Oberflächenvergaser wurde von Gottlieb Daimler 1885 in ein zweirädriges, hölzernes Fahrgestell eingebaut. Geschwindigkeiten: 6 und 12 km/h

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1886 Daimler Motorkutsche - durch die Motorisierung erreichte die Kutsche eine Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h.

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1889 Daimler Stahlradwagen - er wurde anlässlich der Weltausstellung in Paris 1890 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Höchstgeschwindigkeit : 18 km/h

Die Produktion

Die Weltautomobilproduktion hat sich 1995 gegenüber 1950 verfünffacht. Bisher waren die bedeutendsten Hersteller die Industrieländer in Westeuropa, Nordamerika und Japan. Jedoch hat sich die Automobilproduktion auch in Ländern wie Süd- und Südostasien sowie Lateinamerika schnell entwickelt und gesteigert.

An der Spitze aber standen die USA mit einer Produktion von 12 Mio. Fahrzeugen, Japan produzierte 10,2 Mio. Automobile und Deutschland war 1995 mit einer Produktion von 4,7 auf dem dritten Platz. Damit lief nahezu jedes zehnte aller in diesem Jahr gefertigten Automobile in Deutschland vom Band.

Produktionsziffern 1996
(in Mio. Stück)

USA  11,8
Japan  10,3
Deutschland  4,8
Frankreich  3,6
Südkorea   2,8
Spanien  2,5
Kanada  2,4
Osteuropa  1,9
Großbritannien  1,9
Brasilien  1,8
Italien  1,5

Die hohen Kosten im Inland und der Wille an der Entwicklung außerhalb teilzuhaben, führen dazu, dass die deutschen Automobilhersteller ihre Fertigungskapazitäten im Ausland ausbauen. Gegenwärtig werden deutsche Automobile in mehr als 50 Ländern produziert.

Gesellschaftliche Anforderungen

Die Nutzung des Automobils ist wegen der Massenmotorisierung auch mit Nachteilen verbunden. Das hohe Unfallrisiko und die Belastung der Umwelt haben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gefunden, die Verbesserung der Sicherheit und insbesondere die Verringerung des Verbrauchs natürlicher Ressourcen hat deshalb für Verbraucher sowie für die Automobilindustrie einen immer höheren Stellenwert gewonnen.

Die Automobilindustrie versucht nun, die Sicherheit zu erhöhen und die Umweltverträglichkeit zu verbessern. Dank der Anstrengungen der Automobilindustrie gelang es, die Umweltverträglichkeit des Straßenverkehrs etwas zu steigern. So sinken die Emissionen von von Stickoxiden, Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid sowie von Partikeln schon seit mehreren Jahren deutlich ab. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der in Deutschland zugelassenen Wagen ging von 1979 bis 1995 um nahezu ein Viertel zurück.

Die Wiederverwertung von Material aus "Altwagen" spielt mittlerweile eine große Rolle in der Automobilindustrie. So hofft man, das Recycling in den nächsten Jahren über die bereits erreichten 75% zu steigern.

Gesamtwirtschaftliche Bedeutung

Vertrieb und Nutzung des Automobils tragen neben der reinen Produktion erheblich zur branchenspezifischen Beschäftigung bei. Einige Beispiele dafür sind der Kraftfahrzeughandel, die Tankstellen und Reparaturwerkstätten, die Versicherungen, das Speditionsgewerbe oder die Taxibetriebe. So waren 1995 in Deutschland rund 5 Mio. Menschen mit ihrem Arbeitsplatz vom Auto abhängig!

Stephanie Minkler
(Jgst. 12)
1999/2000 - 2. Hj.


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