USA-Austausch 2012 nach Seattle, WA

letzte Änderung am 01.06.2014

Central Park Die Reise geht los: New York!

Sonntag 7.10.2012, 4 Uhr morgens. Während die meisten Schülerinnen und Schüler noch ruhig in den Betten liegt oder gerade von einer Party nach Hause kommen, müssen die Teilnehmer des USA-Austausches die letzten Vorbereitungen für eine lange Reise treffen. Um 5.15 Uhrstehen alle Schüler und Lehrer pünktlich vor dem Haupteingang der Schule und warten auf den Bus, damit die Reise ENDLICH losgehen kann. Alle sind noch müde. Die einen, weil sie vor Aufregung nichtschlafen konnten, die anderen, weil sie die ganze Nacht damit verbracht haben, den Koffer ein und wieder auszupacken, bis er daszulässige Reisegewicht nicht mehr überschreitet.

Schließlich kommen wir am Frankfurter Flughafen an, gehen das Gepäck ab und müssen dann durch die Sicherheitskontrolle, bei der Manuel seine Schere und Johannes wertvolle 30 Minuten seines Lebens lassen muss.

New York

Während die meisten unter der Zeitumstellung leiden, sind einige schon im Shoppingwahn und können es kaum erwarten, die Läden zu stürmen. Am Nachmittag kommen wir im Gershwin Hotel an. Auf Zimmer, die selbst von den Hotelbediensteten „Bunker" genannt werden, waren wir nicht vorbereitet: Acht Betten auf engsten Raum, ein gefühlt drei Quadratmeter großes Bad und fünf Steckdosen, von denen aber nur drei funktionieren. Als dann auch noch im Bad die Decke einstürzt,entscheiden wir, dass uns noch nicht einmal die Lobby sicher genug ist.

Wir erkunden die Umgebung des Hotels. Am Abend gehen wir zum Times Squareund freuen uns wie kleine Kinder über die vielen Lichter und Farben.Eins ist schon jetzt klar: Aus New York wollen wir nicht mehr weg!

Am nächsten Tag besichtigen wir morgens das Empire State Building, das nur wenige Meter von unserem Hotel entfernt ist, und fahren mit dem Fahrstuhl die 102 Stockwerke nach oben. Die Stockwerke rasen in einer riesen Geschwindigkeit an uns vorbei: ... 9,10,11,12,14,15. Stop! 12,14? Wo ist das 13. Stockwerk? Es stellt sich heraus, dass das 13.Stockwerk nicht wie alle gemunkelt haben nachträglich ausgebaut wurde, sondern nie existierte, da die 13 ja bekanntlich eineUnglückszahl ist. Schon irgendwie komisch die Amis! Wir sind endlich oben, um die Aussicht zu genießen. Das lange Warten in der Schlange hat sich gelohnt: Es ist ein ganz besonders Gefühl, die Stadt von oben zu betrachten, die Ausmaße der riesigen Stadt mit ihren rund 19 Millionen Einwohnern werden einem erst hier richtig bewusst. Von hier sehen die Straßen wie Schluchten aus, in denen man kleine gelbe Punkte ausmachen kann: die New Yorker Taxis.

Danach geht es weiter Richtung Central Park. Die freie Zeit nutzen wir, um einkaufen zu gehen. Fast alle Schüler stürmen den nächsten Hollister-Laden und kaufen reichlich ein. An diesem Tag kommt es das erste Mal vor, dass nicht ein einzelner, sondern eine Gruppe von vier Shopperholics zu spät kommt. Dies finden unsere reizenden Lehrer ehrlich gesagt ... nicht sooo toll und strafen uns mit Ignoranz und bösen Blicken.

Im Central Park setzen uns auf einen Hügel und fühlen uns ein bisschen wie im Film. Wir könnten alle schwören, dass wir schon in vielen Kinofilmen Schauspieler auf genau diesem Hügel im Central Park haben sitzen sehen.

Der nächste Tag wird dazu genutzt, die Stadtteile Chinatown und Little Italy anzuschauen und Ground Zero, die Gedenkstätte der Twin Towers, zu besichtigen. Nach der 12. Sicherheitskontrolle dürfen wir zu den beiden riesigen Brunnen gehen und sind zutiefst beeindruckt.

Eine Fähre bringt uns später zur Statue of Liberty. Von dort aus betrachten wir die Skyline der Weltmetropole. Das Wetter ist eher ...bescheiden und wir flüchten in den Souvenirshop, um etwas für unsere Familie und Freunde in Deutschland zu kaufen.

Abends gehen wir erneut zum Times Square und haben so ein einmaliges Erlebnis, das wir nie vergessen werden: Wer kann schon von sich behaupten, auf dem riesigen Flatscreen auf dem Times Square zu sehen zu sein?

Der letzte Tag in New York bricht an und wir machen uns auf den Weg zur Upper East Side und zum berühmten „Metropolitan Museum of Art" und besichtigen dort die riesige Ausstellung.

Einerseits sind wir schließlich traurig, dass wir New York verlassen müssen, andererseits steigt die Nervosität und Vorfreude auf die kommende Zeit in Seattle mit den Austauschpartnern.

Seattle

Der Flug dauert viiieeeeel zu lange, und daher wir sind unglaublich froh, endlich in Seattle anzukommen. Jedoch sind wir auf den überschwänglichen Empfang unserer Austauschpartner mit vielen Blumen und Luftballons nicht vorbereitet und stehen zunächst etwas ratlos beisammen. Nachdem wir den ersten Kontakt geknüpft haben, fahren wir zu unseren Gastfamilien. Es ist inzwischen sehr spät und am nächsten Tag werden wir in der Schule erwartet.

Unsererster Schultag in der Meadowdale High School

Der Tag beginnt um 6 Uhr morgens. Die Schule ist überwältigend und im Vergleich zum WG ziemlich groß. Sofort werden wir einigen Leuten vorgestellt oder sie kommen auf uns zu und wollen sich mit uns unterhalten. Alle sind sehr offen und nett, manchmal fast zu überschwänglich, mit solch einer Reaktion haben wir nicht gerechnet.

Die erste Stunde ist Deutsch bei Mr. Griffin, der zuständig für den Austausch ist. Wir sind sehr überrascht von dem Unterricht: Schüler essen und trinken die ganze Zeit, ohne dass es den Lehrer stört. Insgesamt sind die amerikanischen Lehrer sehr viel toleranter als die deutschen, auch bezogen auf den Gebrauch von Handys während des Unterrichts. Vor Beginn der ersten Unterrichtsstunde müssen die Schüler den Eid ablegen, bei dem sie sich zu der Flagge drehen,die rechte Hand auf das Herz legen und alle gleichzeitig mit einer Stimme,die aus dem Lautsprecher ertönt, den Eid auf die Verfassung mitsprechen. Darüber waren wir erstaunt.

In der Lunchzeit gehen wir in die „Great Hall". Wir öffnen unsere „Lunchbags" und staunen - so etwas erwarten wir zu Hause schon lange nicht mehr von unseren Eltern: Liebevoll belegte Brote,kleingeschnittenes Obst und Gemüse und Süßigkeiten - was für einService!

Ein Schultag an der Meadowdale High School ist anders aufgebaut als am WG: Es gibt drei Stunden Unterricht am Tag, die jedoch jeweils als1,5 Zeitstunden unterrichtet werden. Der Schultag beginnt um 7:30 Uhr morgens und endet um 14:00 Uhr. Insgesamt werden sechs Unterrichtsfächer unterrichtet, davon ist eines entweder Orchester,Chor, Kochen, etc. Dabei können die Schüler weitgehend selbst bestimmen, welche Fächer sie wählen. Im Anschluss an den Unterricht finden noch vereinzelt AGs wie Schauspiel oder Football statt.

Homecoming Week

Die Gastfamilien haben uns unglaublich herzlich aufgenommen und uns in ihr Leben integriert, es gibt nur wenige Kulturunterschiede, die aber meistens kein Hindernis darstellen. Sie zeigen uns ihren Alltag, gehen aber auch auf unsere Wünsche ein.

Wir lernen viele nette Leute kennen und schließen sie schnell ins Herz. Am Abend besuchten wir unser erstes Football-Game und waren erstaunt über den Team- und Schulgeist der Amerikaner. Die Cheerleader motivieren die Footballspieler und haben selbst bei strömenden Regen ein breites Lächeln auf dem Gesicht und tragen Röcke, die kaum kürzer sein könnten. Auch das Orchester unterstützt das Team, die Meadowdale Mavericks, und sorgt für eine unglaubliche Stimmung auf den Tribünen. Das wirkt sich auch auf unsere Deutsch-Gruppe aus; auch wir feuern „unser Team" an.

Nachdem wir ein wunderschönes und erlebnisreiches Wochenende mit unseren Gastfamilien verbracht haben, beginnt die traditionelle Homecomingweek in der Schule. Das Motto der Homecomingweek ist „Just in time". Diese Woche ist vergleichbar mit der Abi-Mottowoche am WG, gilt jedoch für die ganze Schule. Jeder Schüler kleidet sich nach dem sich täglich ändernden Motto.

Der Donnerstag ist ein besonderer Tag, „Assembly Day". Alle Schüler sind aufgeregt und erzählen uns, dass es der beste Tag im ganzen Schuljahr sei. Der Unterricht dauert nicht so lange wie gewohnt, und in den Pausen führt jede Jahrgangsstufe Tänze oder Sketche auf. Außerdem hat sich die ganze Schule in den Schulfarben blau-weiß gekleidet, und in der Turnhalle werden die Homecoming-Queen und der Homecoming-King gekrönt und das Royal-Team wird vorgestellt. Am Freitag ist schulfrei und abends findet das große Homecomingfootballgame statt, zu dem die ganze Schulgemeinde kommt. Das Ereignis, auf das wir alle hinfiebern, ist jedoch der große Homecoming-Ball am Samstag. Tradition ist, dass man vorher entweder mit seinem Date oder mit Freunden Essen geht. Danach fährt man zum Ball, welcher sich allerdings als eine Art Disko entpuppt.

Vancouver

Eine dreitägige Reise nach Vancouver gehörte auch zu unserem Austausch. Wir fahren mit dem Zug mehrere Stunden bis nach Kanada. Zur positiven Überraschung ist unser Hotel im Vergleich zu demjenigen in New York ein Luxushotel.

Wir haben insgesamt viel Freizeit und machen trotzdem Ausflüge: zur berühmt-berüchtigten Suspension Bridge, zum Stanley Park oder zum Aquarium. Fast allen haben die Ausflüge gefallen, und viele haben sich auf die Suspension Bridge, die längste Hängebrücke der Welt, getraut.

Halloween

Ein weiteres Highlight unseres Austausches ist Halloween. Obwohl der Halloweenabend erst am Tag vor unserer Abreise ist, konnten wir schon bei unserer Ankunft Spuren davon entdecken. Schon bei unserer ersten Fahrt durch die Orte sehen wir dekorierte Häuser. Es gibt Häuser, die von oben bis unten mit einer spinnwebenartigen Substanz behängt sind, menschengroße Hexenfiguren stehen auf der Veranda und Gespenster hängen vom Dach herunter. In manche Häuser wären wir nicht freiwillig gegangen. Zum Glück haben die Häuser unserer Gastfamilien nicht solch fürchterliche Verkleidung. Lediglich ein paar Dekorationsartikel, wie kleine Geister, die auf Knopfdruck gruseligen Gesang von sich geben, sind im Hausinneren aufgestellt. Schon am Wochenende vor Halloween gibt es viele Halloweenpartys, und auch die deutsch-amerikanische Gruppe hat sich am Wochenende vorher bereits zum Kürbisschnitzen getroffen. Am Halloweenabend hat ein Austauschpartner alle zur Halloweenparty eingeladen. Während in Deutschland Halloween nur von Kindern gefeiert wird, laufen in den USA sogar Erwachsene von Tür zu Tür, fragen nach Süßigkeiten, und jedes zweite kleine Mädchen trägt ein Prinzessinnenkostüm.

Am nächsten Tag geht es nach einem tränenreichen Abschied leider schon wieder nach Hause.

Wir werden diese Zeit nie vergessen und haben viele Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die uns immer in Erinnerung bleiben werden. Wir hatten vier wunderbare Wochen in den USA.

Aus diesem Grund möchten wir uns noch einmal herzlich bei Frau Helwig,Herrn Appenzelller, Mr. Griffin und unseren tollen Austauschpartnern und ihren Gastfamilien bedanken!

Birte Leonhardt und Amelie Völker